Historische Drachen - Roloplan der Fa. Steiff


Roloplane wurden ursprünglich von der Firma Steiff (ja, genau die mit dem Knopf im Ohr) hergestellt. Die ersten kamen ca. 1909 auf den Markt. Dabei handelt es sich um Drachen mit mehr als einem Segel, die Kennzeichnung ist auch ganz bemerkenswert.
 


Die Flugeigenschaft ist sehr gut, vorausgesetzt, der Drachen ist richtig abgespannt und die Waage korrekt eingestellt. Und eben an diesen beiden Punkten scheitern viele Versuche, an diesen Gefallen zu finden.
Heute werden alte Roloplane hoch gehandelt, da gehen kleine Modelle schon mal für vierstellige Beträge über den Tisch. Als weitere Varianten gibt es dann aus dieser Familie noch u.a. Pearson-Roller und Mezger Roller.

Seit dem Jahr 1999 findet auf dem Ibaer Weltschlüssel (seit 2012 an der Ibaer Sandkaute) das Roloplan treffen statt. Hier treffen sich die Roloplaner aus ganz Deutschland und stellen Ihre kostbaren Roloplaner aus bzw. fliegen sie.
Bei den Drachenfreunde der Roloplaner ist Iba mittlerweile ein fester Bestandteil. Im Jahre 2008 trafen sich die Freunde der Historischen Drachen bereits zum 10ten Male auf dem Weltschlüssel.

Die Chronik des Roloplans

Nach Beobachtungen des Vogelfluges und vielen Berechnungen und Untersuchungen gelingt dem Neffen der Firmenbegründerin Margarete Steiff (Giengen an der Brenz, Baden-Württemberg) Richard Steiff erneut eine grandiose Erfindung. Er war es, der den berühmten Teddy mit dem Knopf im Ohr erfand und nun erneut einen Zeitvertreib für Jung und Alt erfand: Der Roloplan.

Dieser Drachen wird am 3. Juli 1909 als Geschmacksmuster mit Foto registriert: "180/2 cm Größe, blau/gelb mit gebogenen Tonkinstäben (in 250), seitwärts mit Tonkinstützen, sowie anstatt Stabilisierungsfläche nur mit Stoffschlauch." Am 20. August erhält die Firma Steiff das Warenzeichen "Roloplan" zuerkannt. Damit wird der Drachen in die Produktion aufgenommen und sorgt bei unterschiedlichsten Flugveranstaltungen schon bald für Aufsehen. Dieser leistungsfähige Drachen, der mit zwei und drei Segeln in den Spannweiten von 90 bis 360 cm gebaut wird, erlangt schon in den Anfangsjahren eine ganze Reihe internationaler Preise, z.B. 1909 in Frankfurt a.M. 1910 in Scheveningen (Holland) für die größte erreichte Höhe (800 m), im gleichen Jahr in Namur (Belgien) die fünf ersten Preise für die Höhe, den 2. Preis für Tragkraft und Stabilität, für Signalisation und und Luftfotografie jeweils einen ersten Preis.

Die ursprüngliche Farbgebung ist blau-gelb, später dann gelb-rot. Als Material wird Baumwollstoff (Fahnentuch) und Holzgestänge verwendet. Gegen Aufpreis wird der Roloplan mit Werbeaufdrucken geliefert, größere Modelle liefern darüber hinaus die nötige Zugkraft, um ein eigens dafür hergestelltes Fotostativ samt Kamera für die Luftfotografie an der Zugleine zu führen.

Während der Jahre 1912 bis 1918 erlebt der Drachen einen weiteren Höhepunkt: neben einer stabileren Militärversion, die für Schießübungen als bewegtes Ziel genutzt wird, sollen Militärbeobachter mit Hilfe von großen Gespannen in die Luft gezogen werden, doch verdrängt hier bald das Flugzeug weitere Entwicklungen.
Die zweiflächigen Roloplane entwickeln je nach Windverhältnissen eine Zugkraft bis zu 35 kg, die dreiflächigen wesentlich mehr.

Von 1944 bis 1949 wird die Drachenproduktion eingestellt, ab 1950 produziert die Firma Steiff wieder zweiflächige Roloplan-Drachen mit 90 cm, 100 cm und 120 cm Spannweite - jeweils in der traditionellen Bauweise mit Baumwolle und Holzgestänge.
1968 wird jedoch die Produktion entgültig aufgegeben. Wesentlich billigere Kunststoffdrachen überfluten den Markt, die aufwendige Verarbeitung als auch die recht komplizierte siebenschenklige Waage verlangt darüber hinaus ein individuelles Einfliegen jedes Drachens und somit weitere Personalkosten.

Der Roloplan gehört wie der Brogden zu der Familie der geflügelten Drachen und wird durch die sogenannte Ringspannung in Form gehalten. Wegen seines ausgesprochen ruhigen Flugverhaltens bei gleichmäßig mittlerer Windstärke steigt er schnell in große Höhen auf, wo er dann erhaben und ruhig schwebt. So sollte immer ein Langstart mit ca. 30 m Länge vorgesehen werden. Der Roloplan gewinnt schnell mit einem kleinen Zug an Höhe. Anschließend möglichst viel Leine herausgelassen: der Roloplan braucht einen gewissen Luft- und Freiraum unter sich, um dann im gleichmäßigen Wind zu schweben.
Das Baumwolltuch wirkt hier noch verstärkend: störende Windböen und Unregelmäßigkeiten in der Windstärke können wie ein Sieb aufgefangen werden.
 
Das moderne Spinnaker-Segeltuch zeichnet sich durch enorme Widerstandsfähigkeit aus und ist quasi windundurchlässig. Durch Veränderung der Waageeinstellung kann die störende Windundurchlässigkeit gewissermaßen ausgeglichen werden, so dass auch manchmal Roloplan-Nachbauten mit Spinnakertuch zu finden sind. Diese Drachen zeigen dann ihre hervorragenden Flugeigenschaften bei besonders leichten und gleichmäßigen Winden.  (Text: Hermann Klimberg, Berlin)  

Weniger…

1999 - Das erste Roloplantreffen auf dem Ibaer Weltschlüssel
Anlässlich des 90ten Geburtstages des Roloplans fand 1999 in Iba auch das erste deutsche Roloplan-Treffen statt. Seither treffen sich jedes Jahr die Roloplaner auf dem Ibaer Weltschlüssel (seit 2012 an der Sandkaute). Auf dem rechten Foto (aus dem Jahre 1999) ist  Matjes mit einem Original-Roloplan aus dem Jahre um 1920 zu sehen. In 2008 konnte man das 10-jährige Treffen bzw. Fliegen feiern
 


2007 - Der neue CLUB-Roloplan des DC Waldhessen

Dieser Roloplan wurde dem DC Waldhessen von der Fam. Hilgemann aus Morschen geschenkt.  Der Roloplan wurde vom Roloplan- Experten Hermann Klimberg aus Berlin wieder liebevoll Instand gesetzt.
Es ist ein  Roloplan-Zweiflügler mit 120 Zentimeter Spannweite, der noch den original Steiff-Knopf im Segel trägt. Ein Stempelaufdruck attestiert ihm beste Flugeigenschaften, denn er wurde vor seiner Auslieferung von Experten des Herstellers eingeflogen. Das Baujahr wird auf Mitte der 60er Jahre geschätzt.
Im August begleitete der Drachen einige Waldhessener bei einem Besuch ins Steiff-Museum nach Giengen (Foto: Mitte). Hier war er vor vielen Jahren an gleicher Stelle von flinken Näherinnen gefertig worden. (Gruppenfoto: Klaus Gipper, Hermann Klimberg und die Familie Hilgemann)
 


2008 - Roloplan und Teddybären
Dass auch Teddybären etwas mit Drachen zu tun haben, das dokumentierte eindrucksvoll Daniel Hentschel (Foto links, mit Teddy in der Hand) aus Rheine. Der DRK-Angestellte besitzt den weltweit ältesten Roloplan-Drachen, Baujahr 1910. Und aus diesem Jahr stammt auch der Steiff-Teddy mit dem Knopf im Ohr. Hentschel ist heute ein anerkannter Steiff-Experte.
 


2009 - 100 Jahre Roloplan
Im Mittelpunkt des 15. Drachenfestes stand der 100.Geburtstag des Roloplan der Firma Steiff. Dieser wurde mit Aufstiegen von historischen Drachen bzw. einer besonderen Ausstellung gewürdigt.
 


In Iba gab's auch andere historische Drachen


2004 / 2014 - Entdeckung eines verschollenen Original Steiff Romboid Nr. 80/100
Hermann Klimberg (linkes Foto) im Jahre 2004 mit einen Nachbau des so genannten RHOMBOID-DRACHEN, der lediglich von 1923 bis 1928 von der Firma Steiff hergestellt wurde.
Kaum zu glauben, aber 10 Jahre später (2014) konnte K.-U. Körtel einen Original Steiff Romboid Nr. 80/100 (ohne Schwarz fliegbar) auf dem Drachenfest präsentieren. Hierbei soll es sich um den letzten verfügbaren Originalen handeln. Der lediglich von 1923 bis 1928 von der Firma Steiff hergestellt wurde. Dieser Drachen war eine Leihgabe von Dorothee Hartnacke. Sie hatte diesen aus dem Nachlass Ihres Vater erhalten.
 


2006 -
Ulli Draheim aus Hannover stellte seine Gibson-Girl-Kite inkl. technischer Ausrüstung aus.
Im Zeitraum der Weltkriege fanden Drachen hauptsächlich in Bereichen der Luftüberwachung ihren Einsatz, wurden aber bald durch neuere Technologien ersetzt. Eine besondere Erwähnung verdient der im 2. Weltkrieg eingesetzte Gibson Girl. Er war Teil der Seenotrettungsausrüstung für Flugbesatzungen, die notwassern mussten. Der Drachen trug eine dünne Notantenne in den Himmel, die mit einem Funkgerät verbunden war. Ein handbetriebener Generator erlaubte der Flugbesatzung, SOS zu funken. Der Gibson Girl trug so zur Rettung vieler Flugbesatzungen bei.
 


2007 - Das erste offizielle Mehrflüglertreffen in Iba
Der Salmon wird auf das Jahr 1907 datiert. Der Nikel-Drachen oder auch Treppendrachen genannt, wurde vom Österreicher Hugo Nikel entworfen und hatte im August 1898 in Gallizien seinen Erstflug. An  dem Drachen waren meteorologischen Instrumenten anbracht. Der Nikel besteht aus 12, der Salmon aus 16 einzelnen Flügeln. Leider gibt es nur wenig Informationen zu den einzelnen Drachen.
 


2010 - Sonderausstellung - Aigle-Dragon, der Französische Adlerdrachen

Am 12. Juli 1910 tauchte erstmal in Paris eine Werbeanzeige im Magazin Les Cerfs-Volants auf, in der der Adlerdrachen zum Verkauf angeboten wurde. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläum stand dieser seltene Vogel beim 16. Drachenfest in Iba im Mittelpunkt der Ausstellung historischer Drachen. Der Drachenclub Waldhessen war besonders stolz, das man alle vier noch bekannten Exemplare auf  auf dem Weltschlüssel präsentieren konnte.
 


Der Niederländer Frits Sauvé (mittleres Foto, rechts) weiß fast alles über Drachen: Wie sie einst verwendet wurden, vor etwa 100 Jahren. Bei der Jagd auf Rebhühner, beim Militär als Antennen, um Menschen in die Luft zu befördern oder Fotoapparate und technisches Gerät zur Vermessung der Landschaft. Sauvé weiß von Untersuchungen, die sich damit beschäftigten, ob die ägyptischen Pyramiden mit Hilfe von Drachen gebaut wurden. Er besitzt selber einen Adlerdrachen und betreut auch das Exemplar der Drachen-Foundation, Seattle, USA. Weltweit, erklärt Sauvé, sind den Drachenexperten nur noch die vier erhaltene Exemplare des so genannten französischen Adlerdrachen bekannt. Der kleine Drachen aus Baumwollstoff und Holzleisten wurde Anfang des vergangenen Jahrhunderts in geringer Stückzahl gebaut. Bemalt wie ein Adler, wehte er über Feldern oder Gärten und hielt Vögel davon ab, über Früchte herzufallen.

Den zweiten besitzt Heiz Pieper (mittleres Foto, mitte). In 2004 entdeckte er auf einem Flohmarkt ein Exemplar und erstand es für zehn Euro. Heutiger geschätzter Sammlerwert ist um die 1.000,- Euro. Der dritte Adlerdrachen gehört Bernhard Dingwerth (mittleres Foto, links), der das wertvolle Flugobjekt im Internet ersteigert hat. Der vierte ist eine Leihgabe einer Organisation in Seattle, die sich ganz der Geschichte des Drachen widmet. Der helle Adlerdrachen (Foto rechts) ist ein Nachbau von Heiz Pieper.